Freitag, 16. September 2016

Countervoices


Einschlafen als meine Augen zufallen im Licht der Stirnlampe unter meinem Moskitonetz. Aufwachen und auf meiner Terasse in der Haengematte gegen die Morgensonne blinzelnd weiter dieses wunderbare Buch lesend. Ich erinnere mich daran wieso ich, seit ich mich erinnern kann, so gerne lese. Die Schoenheit der verschiedenen Welten erkunden. Die Gedanken auf diesen Pfaden schweifen lassen. Entdecken.

Vielleicht kann ich auch mein Notizbuch nehmen und dauernd drauflos kritzeln, Erinnerungen festhalten und sie vielleicht einmal teilen?

Ein paar Stellen moechte ich mir merken, sie haben etwas in mir bewegt.

The lament is familiar to nearly everyone. To care about the world, we have to open our hearts, but opening them, we make them easier to break.” William De Buys, The last unicorn.

Ich bin frustriert und traurig. So oft. Vielleicht genauso oft bin ich gluecklich, ueberrascht und aufgeregt. Momente die mich frustriert und traurig machen? Wenn ich versuche, fuer etwas einzutreten, und das nicht verstanden oder geteilt wird. Die Spargruppen sollen doch fuer die Frauen sein, ein spezieller Ort, an dem sie sich austauschen koennen, ueben mit Zahlen umzugehen, Kontrolle ueber ihr Geld haben, etwas mehr Autonomie geniessen koennen. Das Team, das die Lao Women’s Union alles Geld wegnehmen laesst, um es in einem Regierungs-Sparverein umzusetzen. Das die obersten drei im Dorf entscheiden lasst, anstatt alle Gruppenmitglieder ihre Entscheidungen treffen zu lassen. Das die Regeln so umgeht, dass am Ende wieder ein paar profitieren. Regeln bricht und aendert, ohne es zu diskutieren vorher. Wieder den naibhan die Frauengruppe dominieren laesst. Wieder die Akha sprechende Gruppe in Lao vollquatscht ohne die Vorbereitung mit Bildern ernst zu nehmen. Ihnen Text auf Lao gibt, obwohl sie nicht lesen koennen. Ich will ein Team, dass die Regeln bricht, um Dinge besser zu machen, das selbst denkt, nicht eines, das die top down Hierarchie Mentalitaet reproduziert. Ich bin frustriert weil mein Herz offen ist.

I walk robotically, unanxious and relieved to be heading home, a place of many definitions. Were my legs less wooden, I might feel a sense of elation. As it is, I try to make my mind smooth, a concept borrowed from Apache lore. The idea is to keep the flow of awareness open, not to let extraneous thoughts and feelings intrude, to think only I will place one foot and will leap from it to that one. And not to allow the dissent of countervoices, like I haven’t spring enough in my legs to do it or They are watching me or I cannot bear another dunking. The smooth mind is purged from distraction and self-consciousness. As though refusing delivery of a letter, it rejects the complaint of the inflamed knee, the empty stomach, the weary spirit. If the mind is smooth, nothing unwanted can snag on it. Easier said than done.” William De Buys, The last unicorn.

1. Ich will gehen! Und 2.: Wie viele Gegenstimmen hab ich normalerweise in meinem Kopf, die das Leben schwer machen? Ausschnitte von Gegenstimmen aus einem Meeting gestern: Wie kann der nur so gelangweilt dasitzen, waehrend wir uns so intensiv auf dieses Meeting vorbereitet haben; fuenf Leute aus meinem Team verschwenden ihre Zeit hier, das kostet Geld, waehrend der einfach waehrend der wichtigsten Praesentation rausgeht; der andere ist ein Idiot (das hab ich sogar in meinen Block aufgeschrieben) – wir praesentieren ihm die Resultate der letzten zwei Jahre Arbeit und seine Antwort ist bloss eine Beschwerde dass wir ihm vor einem Jahr nicht doppeltes Taggeld gegeben haben, das ist korrupt und idiotisch, wie soll denn sein Team arbeiten, wenn der Chef so ein Vollkoffer ist; das Krankenhaus ist so dreckig dass einem schlecht wird, die paar Betten fallen halb auseinander und ueberall liegt Muell herum und Staub, wenn sie schon kein Geld haben, wieso koennen sie es nicht wenigstens putzen; und so geht es noch weiter... Kein Wunder dass das Meeting nicht smooth war – mein Kopf war alles andere als smooth. Trotzdem, wundersame Dinge geschehen in Laos, und der Herr von ganz oben hat unser Anliegen unterztuetzt, so dass es egal war, was meine Kopfstimmen – gerechtfertigterweise – als problematisch bezeichnet haben.

Sie ausschalten? Durch Praesenz. Und Fokus auf das Momentane. Ein Schritt vor dem naechsten, ich kann nicht die ganze Welt umkrempeln mit einem Schlag. Wenn ich das weiter versuche, vertraurige ich.  Wenn eine Gruppe funktioniert, ein meeting gut geleitet wird, eine Person mein Anliegen versteht, ist auch schon etwass gewonnen. Gegenstimmen Ausschalten funktioniert mit Fokus auf das Positive und mini baby Schritte. Und ein bisschen mehr coolness. Beim Mittagessen frage ich eine andere Person zu der Spargruppe und sie hat es gecheckt. Yeahhh! Mein Kollege blinzelt mir zu nach dem Meeting und fragt, ob er eh nicht zu hart war. Yeahh! Alliierte suchen.

Manchmal fuehl ich mich zerrissen hier. Hoch und tief, hoch und tief. Wenn das Herz offen ist, gibt es dauernd so viele angenehme und unangenehme Dinge auf einmal. Lebendig.

Und um die Balance zu halten, muss das Grosse Ganze stimmen. Das, was man tut, passt.

One evening by the tents I asked Robichaud, „How do you maintain optimism?“. He looked at me, deadpan. “What makes you sure I do?” he answered. And yet the next day, I watched him on the trail, in his element, even under averse conditions, it seemed to me I was looking at a man who, if not described by the narrow term happy, was fundamentally at peace with what he was doing.” William De Buys, The last unicorn.

 

 

 

 

 

 

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