Samstag, 28. Februar 2015

Dabei sein

Emails beantworten, Gedanken herumdrehen, Sachen entscheiden, Teammeetings, wichtige Leute treffen, weniger wichtige Leute treffen, Fragen beantworten, Fragen stellen, Plaene machen...

So viel richtig machen muessen in meinem Kopf! Passt das so? Gehoert das eh so? Ist es die richtige Entscheidung? Die richtige Person in cc...? Puhhh. So ein Angsthase in mir - ein RIESENHASE. Das mag ich gar nicht, da schau ich am liebsten schnell ganz woanders hin.

Wie schaut er aus? Er huepft vor sich hin und versucht, sich nicht selber anzuschauen. Obwohl er vielleicht fett und pink und offensichtlich ist. Der versucht alles schnell und effizient zu machen und ja nicht anzuecken und nur positives Feedback zu bekommen, weil das schmeckt gut! Vielleicht ist er dabei ein bisschen unecht und das Gegenteil von plueschig?

Teamleitung
...perfekt sein oder mit dem Herzen dabei sein?
..."richtig machen" oder mit Freude machen und Fehler machen duerfen?
...sich klein machen (weil unsicher) oder voll da(bei) sein?
...schnell "erledigen" oder zuhoeren und sich Zeit fuer andere Meinungen nehmen?

Ich waer lieber ein Elefant. So wie heute im Elefant Convervation Center. Die sind cool - tonnenschwer trotten sie vor sich hin, ihren Weg. Und spielen miteinander und genieeeessen das Wasser! Also, los gehts :-)



Donnerstag, 19. Februar 2015

Grey. Not black and white



 Besuch in einem „target village“ im Bezirk Samphan. Knapp zwei Stunden von Khua auf einer Rumpel-Schotter-Straße. Dicke braune Staubschicht auf mir beim Ankommen und in meinem Kopf die Frage, wie das in der rainy season funktionieren soll. Eines der gut erreichbaren Dörfer, direkt an der neuen Straße. Seit zwei Jahren gibt es sie, gebaut von China, um die 6 geplanten Staudämme entlang es Nam Ou Flusses zu bauen. Bis die fertig sind, länger wird diese Straße (so wie sie jetzt schon ausschaut) nicht halten. Nicht nur die Lastwagenfahrer, auch die Straßenschilder sind aus China (zumindest sind sie auf Chinesisch).  Vor den Chinesen gab es keine Straße und aus dem Dorf hat man zwei Tage zu Fuß nach Khua gebraucht. Ohne Fahrzeug braucht man das heute noch (die meisten Leute haben keins, wir treffen chinesische Lastwägen und 2 Motorräder Gegenverkehr auf 45 km).

Dieser Staudamm ist noch in Bau und hat seit kurzem die Flussverbindung zwischen dem Dorf und Khua unterbrochen. Welche Auswirkung die Staudämme auf das Dorf gehabt haben, frag ich den Naibhan (Dorfchef), bei dem das Team nach der Arbeit zum Mittagessen einquartiert ist. Als weiter oben die Zementierung der Mauer gemacht worden ist, seien eine Weile lang alle Fische gestorben. Das Material sei giftig, vermutet er. Die Leute leben trotzdem vom Fluß. Fast greifbar unfassbar, wie in diesen Umweltschutz-Dokus.  Die Boote hätten sie weiterhin, sie könnten halt nicht mehr weit fahren damit, meint er. Vor dem Damm war das Dorf ein Handelsumschlagplatz – Leute sind aus den Dörfern zu Fuß hergekommen, um Waren, die mit dem Schiff aus/nach Khua gebracht worden sind, zu kaufen und verkaufen. Jetzt gehen die Leute zur Straße, das Dorf ebenso. Khua ist näher gerückt. Sofern man ein Transportmittel hat.
Sechs Dörfer werden bei Fertigstellung des Damms geflutet. Sie werden umgesiedelt und bekommen von der chinesischen Firma neue Häuser gebaut und drei Jahre lang Reis. Während ich mir Gedanken mach, wie es sein muss, wenn die Kaiserbrunn unter Wasser ist, meint der Naibhan, dass vor allem die Bessergestellten unzufrieden seien, weil sie ihr Land verlieren (dafür gibt’s keine Entschädigung). Die Ärmeren kommen gut davon – sie bekommen neue (bessere?) Häuser. 
Schnellere Transportwege, Anschluss an Märkte, neue Einkommensmöglichkeiten entlang der Straße, Verlieren von Heimat, Zerstörung von Natur – „Entwicklung“,  die hier unter Fahne der Chinesen kommt, hat viele Gesichter. Wer die Gewinner und Verlier sein werden ist wohl grau, nicht schwarz weiß. Dass die Firmen und Vergabebehörden ganz oben dabei sind, ist klar. Auch der Naibhan ist gut vernetzt. Wir arbeiten in dem Dorf, weil die Regierung – die hier bei allem Mitspracherecht hat – es ausgewählt hat,  aber : ob hier die „Ärmsten der Armen“ zu Hause sind?

Quizfrage: Welcher Wolf steckt hier im  schwarzen Schweinepelz?

Samstag, 14. Februar 2015

(zu) Haus(e?)

Heute war Haustag - jaaaa, das ist es, pink, of all colours... Der Versuch es zu meinem Haus zu machen - ich muss immer an den kleinen Prinzen und diese Fuchsszene denken, bei voll vielen Dingen die ich mach. Mich mit ihnen langsam anfreunden.

"Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagte der Fuchs. "Es bedeutet: sich vertraut machen "

(Chinesischer Plastik-)Teppich statt Fliesenboden, Herd und Kochen statt Restaurant, Lichterkette statt Neonlicht!! Der komischte Moment war, den Kühlschrank aufzumachen. Das ist wirklich wie einziehen...und den hier werd ich jetzt putzen die nächste Zeit?!


Und hier die Umgebung, mit den Leuten ist das Vertraut Machen ein bissi langsamer als mit Dingen, weil sie sprechen diese Sprache, die ich nicht versteh :-) Das ist jedenfalls das Nachbarhaus, wo ständig andere Leute ein und ausgehen und am Weg vorbei in mein Fenster reinschauen. Und ihr Moped auf der (meiner??) Terrasse parken. Lustig! Privatsphäre wird etwas anders definiert. Auch logisch wenn die Leute vor der Haustür duschen, Wäsche waschen, kochen, Hendln rupfen und so weiter.

Außerdem: Motorrad mit Gängen fahren geübt, ist nicht so schwer! Morgen ins Dorf fahren CVCA (Klima/Anpassungs- Datenerhebung anschauen). Wochenende hat auch eine etwas andere Definition - Khua ist auch nicht so groß dass man Leuten aus dem Weg gehen kann. Tiere ist auch das Thema hier: im CARE Büro gibts eine Katze, 4 Hasen, einen Bienenschwarm und viele Geckos. Bei mir in der Dusche eine fette Kröte! Gestern hab ich ihr die Dusche überlassen, aber heute das Loch zugestopft!

Über Arbeit mag ich grad nicht schreiben, das nimmt eh schon so viel Platz ein... Diese Woche vor allem Sachen zwischen Leuten. Umgang, Gerede, Personalauswahl. Hmpf. Nicht nur lustig.


Samstag, 7. Februar 2015

Parentesis (...)

Monat 1 ist vorbei (seit 2 Tagen). Zeit fuer Klammer auf - Zurueckschauen - Klammer zu. Zeit war das grosse Thema dieses Monat...


...durchschnittliche Aufenthaltsdauer an einem Ort, ca. 3 Tage
...Flugreisen insgesamt: 8
...Autofahrten von ueber 6 Stunden: 7 (davon 2 mit Bachdurchquerung, yeah)
...Abende alleine: max. 7 (???), gefuehlte 2
...Bootfahrt, leider noch null
...Tage ohne Nudelsuppe foeeee: 0 (? ok, vielleicht 2)


Soviel dazu, warum ich muede bin. Ich frag mich nur, warum ich mich trotzdem wunder drueber? Erkenntnis von gestern Abend: Wenn ich muede bin, Aufhoeren, Pause machen, Schlafen. Eigentlich super logisch, nur hab ich mir das die letzten paar Wochen nicht gegoennt. Tut aber gut!!!


Nicht auf mich schauen, das passiert mir echt sooo schnell wenn ich von Anforderungen umgeben bin. Dann ess ich komisch, mach keine Bewegung, kann nicht abschalten. Nachdem  ich die ersten 2 Wochen wie ein Schwamm alles aufgesaugt hab, die 3. Woche mit mir selber (bzw. der Planung einer OP in Bangkok*) beschaeftigt war, hab ich letzte Woche ploetzlich Mega-Unsicherheit bekommen. Dass ich das alles nicht schaff von der Menge und Intelligenz her, dass alle anderen viel mehr Ahnung haben als ich (was teilweise stimmen mag, vor allem, wenn man mit Leuten verglichen wird, die seit Jahren in Laos leben, perfekt Lao koennen und 30 Jahre aelter sind) und dass ich keine Ahnung hab, womit ich beginnen soll. Guter Rat einer Freundin: Fang mal an mit etwas (was du kannst oder weisst) an, der Rest wird sich schon ergeben.


Jedenfalls ist Verbindung verlieren bloed, weil es auch Spass verlieren mit sich bringt und ueberhaupt alles eher muehsam macht. Also: Egal wie viel los ist, nach innen schauen.


Das hoert sich jetzt voll tragisch an, ist es aber nicht. Das liegt wohl in der Natur verschriftlicher Erkenntnisse. Kommt mir auch alles sehr bekannt vor (muss dann mal in den alten Eintraegen nachlesen), wieso muss ich manche Dinge immer wieder (ver)lernen? Hier kommen die Perlen:


...Motorrad mit Schaltung fahren gelernt
...das lustigste Lao Wort bisher: man falang = Erdaepfel = Frucht Auslaender
...Management Team, das kritisch denkt und progressiver als der Rest der Organisation handelt (und denkt, die Seele an diese Organisation verkauft zu haben, alias was veraendern will)
...Fruehlingsrollen rollen gelernt
...Schoko- und Kaffeesucht ist imaginaer
...Kokosnuss aus dem Garten des field office geholt und gegessen
...bis 25 zaehlen gelernt beim Badminton-Spielen (ich bin total unfit!!!)
...die beste warme Dusche der Welt genossen
...Diskussionen ueber Warum? und Wie? development (in Laos) Sinn macht
...Abendspaziergang mit Kollegin, die kein Wort Englisch kann = zum Zerkugeln!!!
...Zeit mit mir: Luang Prabang flair, Abendessen im bistrot 22 in Vientiane
...das 1. Mal viele Zettel unterschrieben, die mit Geld ausgeben zu tun haben. Fuehlt sich unbekannt an.


Bin gespannt, was Monat zwei bringt!!!!


* jetzt wieder tutto paletti!