Dienstag, 30. Juni 2015

Mut tut gut


„It has taken me quite a while to get over the fear of doing the work „correctly“ and to instead begin operating from the heart and continuously challenge my perspective“ 
- Cody Charles, Ten Counterproductive Behaviours of Social Justice Educators 

„If you don’t understand, ask questions. If you are uncomfortable about asking questions, say you are uncomfortable about asking questions and ask anyway. It is easy to tell when a question is coming from a good place. Then listen some more. Sometimes people just want to feel heard. Here's to possibilities of friendship and connection and understanding.“ 
- Chimamanda Ngozi Adichie, Americana





Sonntag, 28. Juni 2015

Schule des Lebens

Was macht mich fröhlich und was fertig? Am Freitag hab ich den spannendsten Tag gehabt: Der ganze Vormittag war schrecklich und der Nachmittag super. Was macht mich unlustig:

...Provincial Steering Committee Meeting vorbereiten: Die Aussicht auf 60 government Leute, die kommen um zu kritisieren, und keinen Einfluss auf das Programm nehmen zu können. Ohnmächtig und ärgerlich.
...ein Team, das eine Viertel Stunde auf Lao redet ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass ich nichts versteh. Traurig und frustriert.
...ein Manager, der vor 5 jungen Frauen ernsthaft die Meinung vertritt, dass Frauen nur mindestens zehn Jahre ältere Männer heiraten sollen, weil sie schneller altern, vor allem ab 40 und das die Stabilität der Ehe gefährdet weil der Mann sie dann verlässt. Wütend.

Das hat sich alles wieder gut gemacht durch:
...eine interessante strategische Diskussion anleiten zu können (auch mit Übersetzung, Malen statt Worte). Juhuuu!
...ein Team zu haben, das echt versteht, worum es geht, sogar ohne große Worte und das ganz angewandt und simpel erklären kann. Juhuuu!
...die beste Übersetzung für development talk ever: "ownership" = "wenn die Bauern nicht sagen "das CARE Hendl stirbt, sondern "mein Hendl stirbt"", hahaha, so witzig und auf den Punkt gebracht! DANKE.

Eigentlich ist es egal, was den Ärger, die Frustration, die Freude oder das Lachen auslöst. Es tut gut zu sehen, dass diese Besucher alle da sind. 



 


Freitag, 12. Juni 2015

"Wichtige" Männer

Schon bevor ich losgefahren bin in die Laostheorie hab ich als Figur diesen mächtigen Mann im Kopf gehabt, vor dem ich Angst hab.

Jetzt hab ich gerade zwei Tage mit mächtigen Männern verbracht: Regierungsmänner, Landesdirektor, seine Vertrauten, Manager hier, Manager dort, vor allem Regierungsmänner. Ich die einzige Frau am "wichtigen Tisch", alle 20 Jahre älter. Meeting, 2 Stunden statt 4, sinnlose Ansprachen, ich finds total lächerlich und will dauernd was sagen, kein Platz für mich, auch nicht am Foto. Die Rückfahrt sechs Stunden auf Kurvenstrassen im Minibus, Anspannung nicht nur wegen Reise, vor allem wegen Anwesenheit von mächtigen Männern. Erst als ich in der Hängematte vor meinem (wunderbaren!!!!) Haus liege, endlich alleine, merke ich wie die Anspannung weicht.

Was mich anspannt ist mir auszumalen, was andere von mir denken. Das kann ich voll gut (außerdem will ich immer perfekt sein, für alle) und das ist total anstrengend. Es geht zum Beispiel so: Jetzt denkt er, ich hab keine Ahnung wie man so ein Meeting plant; ich bin total daneben, weil ich so mit dem wichtigen Mann A geredet hab; jetzt glaubt er, ich krieg nicht mal auf die Reihe, ein Auto zu organisieren; glaubt, dass ich ihn nicht respektiere, weil wir zu spät waren und nicht an alle Details gedacht haben; blablablabla - Endlosschleife.

Wenn ich mir das so lang eingeredet hab, bin ich angespannt und unlocker und schaff es nicht Verbindung herzustellen. Das stresst mich dann mehr. Im Auto war ein Moment, da hab ich dieses Buch gelesen, so ein aktivistisches, Weltverbesserungs große-Theorien Buch - von denen hab ich viele gelesen und die mag ich. Da hab ich mich in eine andere Welt versetzt, mir gedacht, "so was muss man machen", "das ist der richtige Weg" und mich dann selbstsicherer gefühlt. Dann war dieses "klein-sein" Gefühl weg.

Vielleicht bin ich am falschen Platz. Trotzdem, es wird immer Dinge geben, die mich unsicher machen. Egal an welchem Platz. Unsicher, weil ich alles gut machen mag. Gut machen wollen an sich ist ja gut, aber es ist mehr. Er ist, "es allen recht machen wollen". Ich hab Angst davor, es wem nicht recht zu machen, irgendwelchen Standards - den, die von der Welt der "wichtigen Männer" gesetzt werden - nicht zu entsprechen. Ich schütze mich präventiv vor möglichen Konflikten mit außen (indem ich sie mir selber ausmale und mir dabei denke, sie haben recht). Dabei bin ich in Konflikt mit mir selber (weil das negative Ausmalen extrem unlustig und anstrengend ist und mir alle Energie wegnimmt). Eigentlich find ich die Standards manchmal echt blöd und entspreche ihnen vielleicht deswegen nicht, weils mir eigentlich nicht so wichtig ist. Knoten im Kopf. Wenns mir eigentlich egal ist, warum will ich dann entsprechen??!!! Vielleicht kann ich "nicht-entsprechen" üben? Oder "mir-entsprechen"?

Meine Nachbarin Pa sitzt am Boden und putzt Steine und Algen von den Mini-Fischen und Krebsen, die sie mühsam drei Stunden lang gefischt hat. Als wir alleine sind, sagt sie leise: "Die Männer in meinem Haus arbeiten gar nichts. Die sitzen herum und schauen fern. Ich arbeite den ganzen Tag, damit wir alle Essen haben."

Dafür hab ich ein Foto ausgesucht von einem Mann, der diese Woche wichtig war, weil er mein Freund geworden ist. Der Bürgermeister von Ban Kading, im Haus von dessen Familie ich drei Tage übernachtet hab. Verbindung ohne gemeinsame Sprache.