Auf meine Frage, ob ich beim Reispflanzen ins Dorf mitkommen kann bekomm ich interessante Geschichten zu hoeren. Drei junge Frauen auf ihrem Weg dahin, wo sie jetzt sind. Schon einige Jahre her, aber nicht zu lang, um sich nicht gut daran zu erinnern. Eine von ihnen seh ich vor mir, wie sie mit ihrem schwerem Schulrucksack jeden Sonntag von ihrem Dorf den Berg hinuntergeht nach Khua, um die Oberstufe zu besuchen. Rucksack voll mit Reis und Essen fuer die Woche. Am Freitag den Berg wieder hinauf, der Weg dauert einen ganzen Tag. Es gab schon die Strasse damals, aber sie hatten kein Motorrad. Trotzdem hat sie es durchgezogen. Ist in der Erntezeit jeden Tag um vier aufgestanden, um zu beweisen, dass sie fleissig ist. "Nur fleissige Kinder duerfen in die Schule" wurde ihr gesagt.
Die zweite Frau hat auch eine Geschichte mit einem Rucksack. Sie hat nur 10.000 kip, also 1 Dollar, pro Woche bekommen - "also nur einmal Nudelsuppe in der Frueh" lacht die erste Frau - und deswegen auch viel Essen mitnehmen muessen. Aus ihrer Schule haben alle Maedchen aufgehoert nach der Volksschule. Ausser sie und zwei andere. Die sind allerdings in der Unterstufe schwanger geworden und dann ist sie alleine weiter in die Schule gegangen. Nach drei Jahren Landwirtschaftsschule zurueck im Dorf ohne Arbeit. Alle lachen - "jetzt musst du erst am Feld arbeiten", "studieren ist faul - du wirst nie einen Mann finden". Sie lacht und sagt sie haette so ein unglaubliches Glueck gehabt dass sie diesen Job hier gefunden haette, sonst waere sie im Dorf am Reisfeld.
Die dritte Frau hat nicht nur sich selbst die Ausbildung finanziert, indem sie Khua Gemuese verkauft hat jedes Wochenende - noch eine Rucksackgeschichte also - sondern dann auch noch ihrem Bruder und ihrer Schwester. Sie sagt sie hat Landwirtschaft studiert weil sie unsere Organisation in ihrem Dorf arbeiten hat sehen. Dann hat sie ihren Vater gefragt, was man machen muesse um so eine lustige Arbeit zu bekommen. "Landwirtschaft studieren" war die Antwort. Und dann hat sie tatsaechlich das gemacht, was sie damals getraeumt hat.
Die Geschichten machen mich dankbar. Fuer die leichte und beschuetzte Kindheit die ich gehabt hab. Und nachdenklich, wie leicht ich Leute an meinen eigenen Kriterien messe (verstehen sie Gender? koennen sie eine Gruppendiskussion leiten? einen Bericht schreiben?) - das sind Sachen, die ich von ihnen brauche. Komplett andere als sie dauernd leisten.
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