Sonntag, 6. September 2015

Ausfloesung

Im Neuen loest sich Bekanntes auf oder definiert sich neu. "Putzfrau" zum Beispiel ist hier Pa - meine Freundin, Nachbarin und Link zu meiner Laos Familie, Sie hat mir die ersten Buchstaben in Lao beigebracht, sie erinnert mich ans nach Hause gehen wenn ich um acht noch im Buero sitze oder dauernd (!!!) beim Essen daran, dass ich mehr essen soll. Mit ihr war ich heute im "Garten" - pai suan - die Beschaeftigung aller Leute in Khua, auch solcher, die unter der Woche arbeiten, dann halt am Wochenende. Der Garten ist ein Stueck Land oben am Berg, zu erreichen zu Fuss sehr steil die rutschigen Wege hinauf und hinunter. Mit einem kleinen Bambushaus zum Schutz vor Sonne und Regen, in dem gekocht, gearbeitet und geschlafen wird. Heute war Galangal-Ernte. Das sind so kleine gruene Kuegelchen, die vom Stengel geschaelt werden. Die Aufgaben sind entweder im Garten mit der Machete die Fruechte zu holen oder vor dem Haus zu sitzen und die Kugeln vom Ast zu klauben. Heute war die ganze Family dabei: die beiden Cousinen, die aus dem Dorf gekommen sind um in Khua zu studieren und fuer ein Jahr da wohnen, die Mutter die im Hintergrund alles unter Kontrolle hat, der Bruder der mit blossen Haenden und Fuessen auf einen zwanzig Meter Baum klettern kann und die Kinder von den Nachbarn. Und Dam, der Kleine. Das Lustigste war der Weg hinunter mit Dam auf dem Ruecken oder sehr schweren Galangal-Saecken. Der Bruder hat sich einen Sack den Ruecken gebunden und heisst seitdem "to-thau" = altes Tier = Schildkroete. Im Regen und Gatsch den Berg runterrutschen und voll durchnaesst ankommen und unter der Regenrinne duschen - Kopfphoto!!!

"Boss" bin ich in dem Fall, auch eine Grenzverschiebung. Einer der Projektmanager sagt zum Spass "boss" zu mir. Irgendwie lustig. Er weiss glaub ich, dass ich es nicht so ernst nehme mit den Grenzen.

"Beneficiary" laesst sich auf dem Papier leicht sagen (keine Ahnung welches Bild ich von beneficiaries sonst gehabt hab, aber jedenfalls ziemlich getrennt von mir und meinem Leben). Jetzt sitzen beneficiaries mit mir beim Abendessen  (der Buergermeister von einem Dorf in dem wir arbeiten und seine Tochter in Pas Haus), rufen mich an und fragen wie es geht und was ich heute gegessen hab (der Buergermeister aus Kading, bei dem ich drei Tage war) oder sind super nette KollegInnen, mit denen ich Aerobic machen oder Lao ueben kann. Abgesehen davon, dass ich diese Bezeichnung noch nie gemocht habe, funktioniert sie in Realitaet einfach nicht. Scheint aber nuetzliche zu sein, weil andauernd Leute aus Australien nach beneficiary numbers fragen. Seitenwechsel.





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