Freitag, 12. Juni 2015

"Wichtige" Männer

Schon bevor ich losgefahren bin in die Laostheorie hab ich als Figur diesen mächtigen Mann im Kopf gehabt, vor dem ich Angst hab.

Jetzt hab ich gerade zwei Tage mit mächtigen Männern verbracht: Regierungsmänner, Landesdirektor, seine Vertrauten, Manager hier, Manager dort, vor allem Regierungsmänner. Ich die einzige Frau am "wichtigen Tisch", alle 20 Jahre älter. Meeting, 2 Stunden statt 4, sinnlose Ansprachen, ich finds total lächerlich und will dauernd was sagen, kein Platz für mich, auch nicht am Foto. Die Rückfahrt sechs Stunden auf Kurvenstrassen im Minibus, Anspannung nicht nur wegen Reise, vor allem wegen Anwesenheit von mächtigen Männern. Erst als ich in der Hängematte vor meinem (wunderbaren!!!!) Haus liege, endlich alleine, merke ich wie die Anspannung weicht.

Was mich anspannt ist mir auszumalen, was andere von mir denken. Das kann ich voll gut (außerdem will ich immer perfekt sein, für alle) und das ist total anstrengend. Es geht zum Beispiel so: Jetzt denkt er, ich hab keine Ahnung wie man so ein Meeting plant; ich bin total daneben, weil ich so mit dem wichtigen Mann A geredet hab; jetzt glaubt er, ich krieg nicht mal auf die Reihe, ein Auto zu organisieren; glaubt, dass ich ihn nicht respektiere, weil wir zu spät waren und nicht an alle Details gedacht haben; blablablabla - Endlosschleife.

Wenn ich mir das so lang eingeredet hab, bin ich angespannt und unlocker und schaff es nicht Verbindung herzustellen. Das stresst mich dann mehr. Im Auto war ein Moment, da hab ich dieses Buch gelesen, so ein aktivistisches, Weltverbesserungs große-Theorien Buch - von denen hab ich viele gelesen und die mag ich. Da hab ich mich in eine andere Welt versetzt, mir gedacht, "so was muss man machen", "das ist der richtige Weg" und mich dann selbstsicherer gefühlt. Dann war dieses "klein-sein" Gefühl weg.

Vielleicht bin ich am falschen Platz. Trotzdem, es wird immer Dinge geben, die mich unsicher machen. Egal an welchem Platz. Unsicher, weil ich alles gut machen mag. Gut machen wollen an sich ist ja gut, aber es ist mehr. Er ist, "es allen recht machen wollen". Ich hab Angst davor, es wem nicht recht zu machen, irgendwelchen Standards - den, die von der Welt der "wichtigen Männer" gesetzt werden - nicht zu entsprechen. Ich schütze mich präventiv vor möglichen Konflikten mit außen (indem ich sie mir selber ausmale und mir dabei denke, sie haben recht). Dabei bin ich in Konflikt mit mir selber (weil das negative Ausmalen extrem unlustig und anstrengend ist und mir alle Energie wegnimmt). Eigentlich find ich die Standards manchmal echt blöd und entspreche ihnen vielleicht deswegen nicht, weils mir eigentlich nicht so wichtig ist. Knoten im Kopf. Wenns mir eigentlich egal ist, warum will ich dann entsprechen??!!! Vielleicht kann ich "nicht-entsprechen" üben? Oder "mir-entsprechen"?

Meine Nachbarin Pa sitzt am Boden und putzt Steine und Algen von den Mini-Fischen und Krebsen, die sie mühsam drei Stunden lang gefischt hat. Als wir alleine sind, sagt sie leise: "Die Männer in meinem Haus arbeiten gar nichts. Die sitzen herum und schauen fern. Ich arbeite den ganzen Tag, damit wir alle Essen haben."

Dafür hab ich ein Foto ausgesucht von einem Mann, der diese Woche wichtig war, weil er mein Freund geworden ist. Der Bürgermeister von Ban Kading, im Haus von dessen Familie ich drei Tage übernachtet hab. Verbindung ohne gemeinsame Sprache.

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