Das grosse
Bild seh ich kritisch. Wir geben einer Regierung Geld, die das nicht verdient. Beamte,
die Geld in eigene Taschen fuellen und grosse Autos fahren und Worte schwingen,
dafuer Strassen, die ewig ungepflastert bleiben, Fluesse die aufgestaut werden
und Doerfer fluten oder durch Goldwaescherei giftig werden.Leute sind
betroffen, die nur Ja sagen koennen. Oder zumindest nicht laut Nein. Mangel an
allen Ecken und Enden. Das macht mich so wuetend. Auch die kleinen Beamten, die
nicht mitschneiden und alle paar Monate ihre zweihundert Euro verdienen, dafuer
dann Geld und Kooperation von uns verlangen. Dazu nur freundlich nicken koennen
und innerlich schreien und weinen.
Das grosse
Bild nach innen schaut manchmal auch ein bisschen traurig aus. Menschen mit
grossen Gehaelten, die in der Hauptstadt in Wohnungen mit europaeischem
Standard wohnen und in Starbucks-artigen Cafes ihr Fremdsein kultivieren (oder
Heimweh stillen). Grosse Theorien auf viel Papier. Wichtige Gespraeche, die
weit weg von Betroffenen stattfinden. Hohe Ansprueche, die mit Ungeduld
vorgetragen oder aufgedrueckt werden. Ungeduld gegenueber Langsamkeit.
Abgehobenheit und Verallgemeinerungen. Entfernung und disconnection (ich
such das richtige Wort, es ist nicht Entbindung).
Advocacy,
civil society capacity building, human rights – all das, was ich theoretisch unterschreibe,
scheint mir gerade echt weit weg. Nicht moeglich in diesem Kontext?
Gefaehrlich. Abgehoben, vielleicht nicht gewollt. Dafuer gewinne ich neue Einsichten
aus dieser Position „nah dran“. NGOs kommen und gehen (die Regierung bleibt, das ist ihr grosser Pluspunkt). Man muss die Angebote
nutzen, die sie bieten, wer weiss welches Projekt in ein paar Jahren da ist
oder ob ihre Ziele sich dann geaendert haben werden. Also, jetzt nachfragen, so
viel man bekommen kann. Wassersysteme, Ziegen, Huehner, ... Es ist Taktik –
umso „aermer“ man ist, umso mehr gibt es zu holen. (Daher nie Daten wie
Einkommen, Groesse der Felder, Ernte usw. glauben. Entweder NGOs geben mehr
oder die Regierung nimmt weniger.)
Ich bin
gegen die Rolle von NGOs von Verteilung von Dingen. Es komplett klar, dass das
nur die Regierung entlastet, die sowas bringen sollte. Trotzdem – in Echt ist
es komplexer. Ich versteh die Nachfrage. Steh mit meiner Zahnbuerste in der
Hand unter dem Sternenhimmel beim einzigen Wasserhahn im Ort, vor dem so ein
langer Stau ist, dass die Frauen auch im Finstern Waesche waschen. Gaebe es den
nicht, muessten sie jeden Tag zu Fuss den ganzen Berg hinunter und mit den
schweren Kanistern wieder hinaufgehen. Es macht einen echten Unterschied, jeden
Tag. Trotzdem glaub ich, dass wir andere wichtigere Veraenderungen bringen
koennen. Wenn auch nur winzig kleine.
Ich
bewundere die Art, wie meine KollegInnen mit den Leuten in Kontakt sind. Ein
Kollege, der mich manchmal so ungeduldig werden lasst mit seiner stillen Art, beeindruckt
mich, wie er versteht, wo die Leute abzuholen sind, was ankommt und was nicht, was
moeglich ist. Und mit so grosser Ernsthaftigkeit und Respekt dabei ist und Zeit
widmet. Und dann ist manchmal doch ein bisschen mehr moeglich. Nur Frauen einladen?
Unmoeglich! Die Ehemaenner wollen dabei sein und kontrollieren. Dann geht es
doch. Yeah.
Ich fahr in
der Abenddaemmerung am Motorrad ueber die Berge zurueck nach Khua und geniesse
jede Kurve, jeden Augenblick sauge ich die schoene Landschaft ein. Wenn ich
den Helm offen hab pfeift der Wind um meine Ohren als waer ich auf einem Snowboard.
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