Donnerstag, 19. Februar 2015

Grey. Not black and white



 Besuch in einem „target village“ im Bezirk Samphan. Knapp zwei Stunden von Khua auf einer Rumpel-Schotter-Straße. Dicke braune Staubschicht auf mir beim Ankommen und in meinem Kopf die Frage, wie das in der rainy season funktionieren soll. Eines der gut erreichbaren Dörfer, direkt an der neuen Straße. Seit zwei Jahren gibt es sie, gebaut von China, um die 6 geplanten Staudämme entlang es Nam Ou Flusses zu bauen. Bis die fertig sind, länger wird diese Straße (so wie sie jetzt schon ausschaut) nicht halten. Nicht nur die Lastwagenfahrer, auch die Straßenschilder sind aus China (zumindest sind sie auf Chinesisch).  Vor den Chinesen gab es keine Straße und aus dem Dorf hat man zwei Tage zu Fuß nach Khua gebraucht. Ohne Fahrzeug braucht man das heute noch (die meisten Leute haben keins, wir treffen chinesische Lastwägen und 2 Motorräder Gegenverkehr auf 45 km).

Dieser Staudamm ist noch in Bau und hat seit kurzem die Flussverbindung zwischen dem Dorf und Khua unterbrochen. Welche Auswirkung die Staudämme auf das Dorf gehabt haben, frag ich den Naibhan (Dorfchef), bei dem das Team nach der Arbeit zum Mittagessen einquartiert ist. Als weiter oben die Zementierung der Mauer gemacht worden ist, seien eine Weile lang alle Fische gestorben. Das Material sei giftig, vermutet er. Die Leute leben trotzdem vom Fluß. Fast greifbar unfassbar, wie in diesen Umweltschutz-Dokus.  Die Boote hätten sie weiterhin, sie könnten halt nicht mehr weit fahren damit, meint er. Vor dem Damm war das Dorf ein Handelsumschlagplatz – Leute sind aus den Dörfern zu Fuß hergekommen, um Waren, die mit dem Schiff aus/nach Khua gebracht worden sind, zu kaufen und verkaufen. Jetzt gehen die Leute zur Straße, das Dorf ebenso. Khua ist näher gerückt. Sofern man ein Transportmittel hat.
Sechs Dörfer werden bei Fertigstellung des Damms geflutet. Sie werden umgesiedelt und bekommen von der chinesischen Firma neue Häuser gebaut und drei Jahre lang Reis. Während ich mir Gedanken mach, wie es sein muss, wenn die Kaiserbrunn unter Wasser ist, meint der Naibhan, dass vor allem die Bessergestellten unzufrieden seien, weil sie ihr Land verlieren (dafür gibt’s keine Entschädigung). Die Ärmeren kommen gut davon – sie bekommen neue (bessere?) Häuser. 
Schnellere Transportwege, Anschluss an Märkte, neue Einkommensmöglichkeiten entlang der Straße, Verlieren von Heimat, Zerstörung von Natur – „Entwicklung“,  die hier unter Fahne der Chinesen kommt, hat viele Gesichter. Wer die Gewinner und Verlier sein werden ist wohl grau, nicht schwarz weiß. Dass die Firmen und Vergabebehörden ganz oben dabei sind, ist klar. Auch der Naibhan ist gut vernetzt. Wir arbeiten in dem Dorf, weil die Regierung – die hier bei allem Mitspracherecht hat – es ausgewählt hat,  aber : ob hier die „Ärmsten der Armen“ zu Hause sind?

Quizfrage: Welcher Wolf steckt hier im  schwarzen Schweinepelz?

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