Besuch in einem „target village“ im Bezirk Samphan. Knapp zwei Stunden von Khua auf einer Rumpel-Schotter-Straße. Dicke braune Staubschicht auf mir beim Ankommen und in meinem Kopf die Frage, wie das in der rainy season funktionieren soll. Eines der gut erreichbaren Dörfer, direkt an der neuen Straße. Seit zwei Jahren gibt es sie, gebaut von China, um die 6 geplanten Staudämme entlang es Nam Ou Flusses zu bauen. Bis die fertig sind, länger wird diese Straße (so wie sie jetzt schon ausschaut) nicht halten. Nicht nur die Lastwagenfahrer, auch die Straßenschilder sind aus China (zumindest sind sie auf Chinesisch). Vor den Chinesen gab es keine Straße und aus dem Dorf hat man zwei Tage zu Fuß nach Khua gebraucht. Ohne Fahrzeug braucht man das heute noch (die meisten Leute haben keins, wir treffen chinesische Lastwägen und 2 Motorräder Gegenverkehr auf 45 km).
Sechs
Dörfer werden bei Fertigstellung des Damms geflutet. Sie werden umgesiedelt und
bekommen von der chinesischen Firma neue Häuser gebaut und drei Jahre lang Reis.
Während ich mir Gedanken mach, wie es sein muss, wenn die Kaiserbrunn unter
Wasser ist, meint der Naibhan, dass vor allem die Bessergestellten unzufrieden
seien, weil sie ihr Land verlieren (dafür gibt’s keine Entschädigung). Die
Ärmeren kommen gut davon – sie bekommen neue (bessere?) Häuser.
Schnellere
Transportwege, Anschluss an Märkte, neue Einkommensmöglichkeiten entlang der
Straße, Verlieren von Heimat, Zerstörung von Natur – „Entwicklung“, die hier unter Fahne der Chinesen
kommt, hat viele Gesichter. Wer die Gewinner und Verlier sein werden ist wohl grau,
nicht schwarz weiß. Dass die Firmen und Vergabebehörden ganz oben dabei sind,
ist klar. Auch der Naibhan ist gut vernetzt. Wir arbeiten in dem Dorf, weil die
Regierung – die hier bei allem Mitspracherecht hat – es ausgewählt hat, aber : ob hier die „Ärmsten der Armen“
zu Hause sind?

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